Personenrettung aus Gefahrguttank

Datum: 13.07.2002 
Alarmzeit: 16:03 Uhr 
Dauer: 6 Stunden 1 Minute 
Einsatzort: Nonnenroth, Am Wald 


Einsatzbericht:

Am vergangenen Samstag gegen 16.00 Uhr kam es in Hungen-Nonnenroth zu einem folgenschweren Unfall bei der Innenreinigung eines Tankzugaufliegers.

Ein Mitarbeiter einer Spedition war im Inneren des zu Gefahrguttransporten genutzten Tankbehälters vermutlich wegen nicht ausreichender Sicherung gegen die dort auftretenden ätzenden, giftigen und explosiven Dämpfe bewusstlos geworden. Sein ihm zu Hilfe eilender Bruder brach ebenfalls im Tank bewusstlos zusammen, konnte aber durch die zuerst eingesetzten Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren aus Hungen und Hungen-Nonnenroth schnell über die Tanköffnung gerettet werden.

Höchst kompliziert, anstrengend und langwierig gestaltete sich die Rettung des zweiten Verunglückten, der sich im hinteren Teil des Tankzuges befand und wegen der Kammertrennung, den so genannten Schwallwänden, sowie der Restchemikalien und der Dunkelheit kaum zu erreichen war. Trotzdem gelang es durch den Einsatz von fast 30 Atemschutzgeräteträgern, die nach Verlassen des Tankbehälters teils wegen Erschöpfung ärztlich behandelt werden mussten, den Schwerstverletzten über die einzige Domöffnung des Fahrzeuges auf die an der Drehleiter befestigte Krankentrage zu retten.

Die beiden Arbeiter wurden nach der Erstversorgung durch die Notärzte mit dem Rettungshubschrauber in das Universitäts-Klinikum Giessen geflogen. Ein weiterer Betriebsangehöriger musste, ebenso wie ein Feuerwehrmann, dem im Inneren des Tanks die Atemschutzmaske verrutscht war, mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Anschließend war eine langwierige Dekontamination der Einsatzkräfte und eines Teils des Geräts erforderlich. Die eingesetzten Atemschutzgeräteträger wurden vorsorglich ärztlich untersucht und alle von den Chemikalien benetzten Geräte und Bekleidungsstücke sichergestellt.

Trotz umfangreicher Messungen und Prüfungen, auch durch den eingesetzten Fachberater Gefahrgut, konnte bis zum Einsatzende gegen 23.00 Uhr die Zusammensetzung der Chemikalien nicht festgestellt werden.

Eingesetzt waren neben der Stützpunktfeuerwehr der Kernstadt, die mit 8 Fahrzeugen vor Ort war, die Wehren aus Hungen-Nonnenroth, Hungen-Villingen, Hungen-Inheiden, Hungen-Langd und Hungen-Trais-Horloff, sowie Teile der Berufsfeuerwehr Gießen und der freiwilligen Feuerwehren aus Grünberg, Lich, Linden und Lollar mit insgesamt 27 Fahrzeugen. Hinzu kamen zwei Rettungshubschrauber, 5 Rettungswagen, 4 weitere Notärzte und Schnelleinsatzgruppen des Rettungsdienstes, sowie weitere Dienste wie Polizei, das Gewerbeaufsichtsamt und Notfallseelsorger. Einsatzleiter Kreisbrandinspektor Battenfeld zeigte sich in einem ersten Fazit mit der geleisteten Arbeit zufrieden, die wie er betonte, manchen der eingesetzten Helfer bis an die Belastbarkeitsgrenze beanspruchte.